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Verwaltungsgericht Minden, 10 K 7608/17.A

Datum:
13.11.2019
Gericht:
Verwaltungsgericht Minden
Spruchkörper:
10. Kammer
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
10 K 7608/17.A
ECLI:
ECLI:DE:VGMI:2019:1113.10K7608.17A.00
 
Schlagworte:
Schutzberechtigte, anerkannte Behandlung, unmenschliche oder erniedrigende Bürgergeld Italien Situation extremer materieller Not
Normen:
EMRK Art 3, EU-Grundrechtecharta; Art 4, AsylG § 77 Abs 1 Halbsatz 1, AufenthG § 60 Abs. 5,
Leitsätze:

1. Nach den deckungsgleichen Maßstäben des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und des Gerichtshofs der Europäischen Union liegt eine erniedrigende Behandlung i.S.d. Art. 3 EMRK bzw. Art. 4 GrCh nicht erst dann vor, wenn die betreffende Person ohne staatliche Hilfe dem Tod durch Hunger und Krankheit ausgesetzt wäre, sondern auch dann, wenn sie ohne staatliche Hilfe über einen längeren Zeitraum am Rande des wirtschaftlichen Existenzminimums dahinvegetieren müsste. Dabei reicht bereits ein relativ kurzer Zeitraum, während dessen sich eine Person in einer Situation extremer materieller Not befindet, aus, um einen Verstoß gegen Art. 4 GrCh zu begründen.

2. Anerkannten Schutzberechtigten, die nicht die Voraussetzungen für die Gewährung von Bürgergeld erfüllen und vollständig auf staatliche Hilfe angewiesen sind, droht im Falle ihrer Überstellung nach Italien mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine erniedrigende Behandlung i.S.d. Art. 3 EMRK.

 
Tenor:

Soweit der Kläger seine Klage zurückgenommen hat, wird das Verfahren eingestellt. Ziffer 2, Ziffer 3 Satz 1 und 2 und Ziffer 4 des Bescheids des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge vom 14. August 2017 werden aufgehoben. Die Beklagte wird verpflichtet festzustellen, dass für den Kläger ein Abschiebungsverbot gemäß § 60 Abs. 5 AufenthG für Italien vorliegt.

Die Kosten des Verfahrens, für das Gerichtskosten nicht erhoben werden, tragen die Beteiligten je zur Hälfte.

Das Urteil ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar. Dem jeweiligen Vollstreckungsschuldner wird nachgelassen, die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des jeweils beizutreibenden Betrags abzuwenden, wenn nicht der jeweilige Vollstreckungsgläubiger zuvor Sicherheit in gleicher Höhe leistet.

 
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