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Verwaltungsgericht Minden, 10 K 1823/15.A

Datum:
29.11.2017
Gericht:
Verwaltungsgericht Minden
Spruchkörper:
10. Kammer
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
10 K 1823/15.A
ECLI:
ECLI:DE:VGMI:2017:1129.10K1823.15A.00
 
Schlagworte:
Asylverfahren Aufnahmebedingungen Behandlung, unmenschliche oder erniedrigende Flüchtling Italien Schutz, internationaler Schwachstellen, systemische
Normen:
EMRK Art 3 EU-Grundrechtecharta Art 1 EU-Grundrechtecharta Art 4; RL 2013/33/EU Art 17 RL 2013/33/EU Art 18; AufenthG § 60 Abs 5 AsylG § 29 Abs 1 Nr 2 AsylG § 34a Abs 1
Leitsätze:

1. Personen, denen in Italien internationaler Schutz gewährt wurde und die vollständig auf staatliche Hilfe angewiesen sind, laufen im Falle ihrer Überstellung nach Italien aufgrund der dort für sie bestehenden Lebensverhältnisse mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Gefahr, einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung i.S.d. Art. 3 EMRK ausgesetzt zu werden (entgegen OVG NRW, z.B. Urteil vom 19. Mai 2016 - 13 A 1490/13.A -, Asylmagazin 2016, 312).

2. Anerkannte Schutzberechtigte sind ebenso wie Asylbewerber dann einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung ausgesetzt, wenn sie über einen längeren Zeitraum obdachlos und ohne gesicherten Zugang zu jeder Versorgung sind.

3. Droht anerkannten Schutzberechtigten in dem Mitgliedstaat der Europäischen Union, in dem sie anerkannt wurden, eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung, kommt es nicht darauf an, ob dies auf systemischen Schwachstellen der dort für sie bestehenden Aufnahmebedingungen beruht.

4. Dass in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union anerkannte Schutzberechtigte wegen der dort für sie herrschenden Lebensverhältnisse nicht in diesen Mitgliedstaat abgeschoben werden können, räumt ihnen keinen Anspruch auf Durchführung eines weiteren Asylverfahrens in der Bundesrepublik Deutschland ein.

 
Tenor:

Die Beklagte wird unter Aufhebung von Ziffer 2 des Bescheids des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge vom 16. Juni 2015 verpflichtet festzustellen, dass für den Kläger ein Abschiebungsverbot gemäß § 60 Abs. 5 AufenthG für Italien vorliegt. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.

Die Kosten des Verfahrens, für das Gerichtskosten nicht erhoben werden, tragen der Kläger und die Beklagte je zur Hälfte.

Das Urteil ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar. Dem jeweiligen Vollstreckungsschuldner wird nachgelassen, die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des jeweils beizutreibenden Betrags abzuwenden, wenn nicht der jeweilige Vollstreckungsgläubiger zuvor Sicherheit in gleicher Höhe leistet.

 
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