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Verwaltungsgericht Minden, 10 K 2248/14.A

Datum:
10.05.2016
Gericht:
Verwaltungsgericht Minden
Spruchkörper:
10. Kammer
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
10 K 2248/14.A
ECLI:
ECLI:DE:VGMI:2016:0510.10K2248.14A.00
 
Schlagworte:
Asylverfahren Aufnahmebedingungen Behandlung, unmenschliche oder erniedrigende Italien Schutz, internationaler Schutz, subsidiärer Schwachstellen, systemische Vergewisserung, Konzept der normativen
Normen:
Art. 3 EMRK; Art. 1, 4 GrCH; Art. 17, 18 RL 2013/33/EU; Art. 33 Abs. 2 lit a),; 52 Unterabs. 1 RL 2013/32/EU; Art. 16a Abs. 2 GG; § 60 Abs. 1 S. 3, Abs. 2 S.; AufenthG; §§ 26a Abs. 1 S. 1 u. 2, 31 Abs. 4 AsylVfG
Leitsätze:

Gegen die auf §§ 26a Abs. 1 Sätze 1 und 2, 31 Abs. 4 AsylG gestützte Feststellung, dass dem Kläger in der Bundesrepublik Deutschland kein Asylrecht zusteht, ist grundsätzlich die Anfechtungsklage statthaft.

Asylbewerber, denen in Italien internationaler Schutz gewährt wurde und die vollständig auf staatliche Hilfe angewiesen sind, laufen im Falle ihrer Überstellung nach Italien Gefahr, dort aufgrund von systemischen Schwachstellen der Aufnahmebedingungen einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung i.S.d. Art. 4 EU-Grundrechtecharta ausgesetzt zu werden.

Ist ein Asylbewerber im Ausland als subsidiär Schutzberechtigter anerkannt, ist das Bundesamt weder zur Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft noch zur (erneuten) Anerkennung als subsidiär Schutzberechtigter verpflichtet oder berechtigt.

Art. 52 Unterabs. 1 RL 2013/32/EU räumt den Mitgliedstaaten ein Wahlrecht ein, ob sie auf vor dem 20. Juli 2015 gestellte Asylanträge altes oder neues, bereits den Vorgaben der Richtlinie 2013/32/EU entsprechendes Recht anwenden. Dementsprechend ist eine Regelung des nationalen Rechts für vor diesem Zeitpunkt gestellte Asylanträge dann unionsrechtskonform, wenn sie entweder den Vorgaben der Richtlinie 2005/85/EG oder denen der Richtlinie 2013/32/EU entspricht (Abweichung von BVerwG, Beschluss vom 23. Oktober 2015 - 1 B 41.15 -, InfAuslR 2016, 61).

VG Minden, Urteil vom 10. Mai 2016 - 10 K 2248/14.A -

 
Tenor:

Die Beklagte wird unter entsprechender Aufhebung der Ziffer 1 des Bescheids des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge vom 8. September 2014 verpflichtet festzustellen, dass für den Kläger ein Abschiebungsverbot gemäß § 60 Abs. 5 AufenthG für Italien vorliegt. Ziffer 2 des vorbenannten Bescheids wird aufgehoben. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.

Die Kosten des Verfahrens, für das Gerichtskosten nicht erhoben werden, tragen der Kläger zu einem Drittel und die Beklagte zu zwei Dritteln.

Das Urteil ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar. Dem jeweiligen Vollstreckungsschuldner wird nachgelassen, die Voll-streckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des beizutreibenden Betrags abzuwenden, wenn nicht der jeweilige Vollstreckungsgläubiger zuvor Sicherheit in gleicher Höhe leistet.

 
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