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Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, 15a K 5117/16.A

Datum:
18.12.2019
Gericht:
Verwaltungsgericht Gelsenkirchen
Spruchkörper:
15a. Kammer
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
15a K 5117/16.A
ECLI:
ECLI:DE:VGGE:2019:1218.15A.K5117.16A.00
 
Schlagworte:
Irak; junge Frau westliche Prägung; westliche Identität; westliche Lebensweise; Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe
Normen:
AsylG § 3 Abs. 1 und 4; § 3a Abs. 2 Nr. 6; § 3b Abs. 1 Nr. 4
Leitsätze:

Im Einzelfall kann eine Frau irakischer Staatsangehörigkeit, die während ihres Aufenthaltes in der Bundesrepublik Deutschland über mehrere Jahre (westliche) Grundüberzeugungen zur gleichberechtigten, eigenständigen und selbstständigen „Rolle der Frau“ als eigene Lebensweise angenommen hat und deren Aufgabe ihr nicht zugemutet werden kann, im Rückkehrfall wegen ihres weiblichen Geschlechts im Irak und der angenommenen Identität und Lebensweise von Verfolgung i.S.d. § 3 Abs. 1 und 4, § 3a Abs. 2 Nr. 6 und § 3b Abs. 1 Nr. 4 AsylG bedroht sein.

Eine Gruppenverfolgung der Christen im Irak, insbesondere in der Region Kurdistan-Irak, kann nicht festgestellt werden.

In der Region Kurdistan Irak besteht gegenwärtig (12/2019) keine ernsthafte individuelle Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit der Kläger als Zivilpersonen infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen bewaffneten Konflikts im Sinne des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 AsylG.

 
Tenor:

Die Beklagte wird unter teilweiser Aufhebung des Bescheides des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge vom 27. Juli 2016 verpflichtet, der Klägerin zu 3. (Frau T.   ) die Flüchtlingseigenschaft gemäß § 3 Abs. 1 und 4 des Asylgesetzes zuzuerkennen.

Im Übrigen wird Klage wird abgewiesen.

Die Kläger zu 1., 2. und. 4 tragen 3/4 und die Beklagte trägt 1/4 der Kosten des gerichtskostenfreien Verfahrens.

              Das Urteil ist hinsichtlich der Kosten vorläufig vollstreckbar. Der jeweilige Vollstreckungsschuldner darf die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 Prozent des jeweils aufgrund des Urteils vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht der jeweilige Vollstreckungsgläubiger vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 110 Prozent des jeweils zu vollstreckenden Betrages leistet.

 
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