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Verwaltungsgericht Düsseldorf, 4 K 8412/23.A

Datum:
03.03.2026
Gericht:
Verwaltungsgericht Düsseldorf
Spruchkörper:
4. Kammer
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
4 K 8412/23.A
ECLI:
ECLI:DE:VGD:2026:0303.4K8412.23A.00
 
Schlagworte:
Armenien, Bergkarabach, Arzach, Staatenloser, erster Asylstaat, Ausstellerbehörde "070", Nachfluchtgrund, Richtlinie, Umsetzung, unmittelbare Geltung, Aufenthalt
Normen:
AsylG § 3 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b, Abs. 3 Satz 1 Nr. 2; AsylG §§ 27 Abs. 1, 29 Abs. 1 Nr. 4; EURL 2011/95 Art. 4 Abs. 3 Buchst. e, 12 Abs. 1 Buchs. b; EURL 2013/32 Art. 33 Abs. 2 Buchst. b, Art. 35; GFK Art 1 A, 1 E
Leitsätze:

§ 27 AsylG steht einer Zuerkennung derFlüchtlingseigenschaft nicht entgegen, wenn - wie hier - ein Nachfluchtgrund erst nach dem Verlassen des Drittstaates entstanden ist (Anschluss an VGH Bad.-Württ., Urteil vom 23. November 1995 - A 12 S 3382/94 - juris Rn. 71 m. w. N.)

Staatenlose armenische Volkszugehörigen aus Bergkarabach bzw. der ehemaligen Republik Arzach können in Aserbaidschan einer begründeten Furcht vor Verfolgung gemäß § 3 Abs. 1 AsylG unterliegen (Anschluss an VG Kassel, Urteil vom 16. September 2024 - 1 K 1819/23.KS.A -, juris Rn. 29 ff., VG Karlsruhe, Urteil vom 19. September 2025 - A 18 K 454/25 -, juris Rn. 46 ff.)

Ein Ausschluss der Flüchtlingseigenschaft für staatenlose armenische Volkszugehörige aus Berkarabach gemäß Art. 4 Abs. 3 Buchst. e) RL 2011/95/EU scheidet aus, weil Bestimmungen einer Richtlinie  ohne mitgliedstaatliche Umsetzung innerstaatliche Rechtswirkung nur dann entfalten können, wenn sie einzelne natürliche oder juristische Personen nicht belasten, sondern ausschließlich begünstigen (vorliegend verneint).

 
Tenor:

Soweit die Klägerin die Klage zurückgenommen hat, wird das Verfahren eingestellt.

Der Bescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge vom 27. Oktober 2023 wird hinsichtlich Ziffern 1. und 3. bis 6. aufgehoben. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen.

Die Kosten des gerichtskostenfreien Verfahrens tragen die Klägerin zu 1/6 und die Beklagte zu 5/6.

Das Urteil ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar. Die jeweilige Vollstreckungsschuldnerin kann die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110% des jeweils vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht die jeweilige Vollstreckungsgläubigerin zuvor Sicherheit in gleicher Höhe leistet.

 
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