Seite drucken Seite drucken   Entscheidung als PDF runterladen Entscheidung als PDF runterladen

Oberverwaltungsgericht NRW, 13 D 29/20.NE

Datum:
25.08.2022
Gericht:
Oberverwaltungsgericht NRW
Spruchkörper:
13. Senat
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
13 D 29/20.NE
ECLI:
ECLI:DE:OVGNRW:2022:0825.13D29.20NE.00
 
Leitsätze:

1. Die Untersagung des Betriebs von Fitnessstudios bzw. des Sportbetriebs in Fitnessstudios zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung von Infektionen mit dem SARS-CoV-2-Virus in der ersten Coronawelle durch § 3 Abs. 1 Nr. 1 CoronaSchVO vom 22. März 2020, geändert durch Änderungsverordnung vom 30. März 2020, in den im Zeitraum bis zum 3. Mai 2020 geltenden Fassungen, sowie § 4 Abs. 1 CoronaSchVO in den ab dem 4. Mai 2020 geltenden Fassungen war rechtmäßig.

2. Die bis zum 10. Mai 2020 geltende Untersagung des Betriebs von Fitnessstudios bzw. des Sportbetriebs in Fitnessstudios konnte auf § 32 Satz 1 und 2 i. V. m. § 28 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 1 IfSG gestützt werden. Die infektionsschutzrechtliche Generalklausel genügte jedenfalls in der Frühphase der Corona-Pandemie auch hinsichtlich der darauf gestützten Anordnung vorübergehender landesweiter Betriebsschließungen den aus dem Wesentlichkeitsgrundsatz folgenden verfassungsrechtlichen Anforderungen an Regelungstiefe und Bestimmtheit.

3. Die Untersagung des Betriebs von Fitnessstudios bzw. des Sportbetriebs in Fitnessstudios während der ersten Coronawelle verletzte nicht die Berufsfreiheit aus Art. 12 Abs. 1 GG. Der Eingriff in dieses Recht war verfassungsrechtlich gerechtfertigt. Er war zum Schutz von Leben und Gesundheit von Menschen vor den Gefahren einer COVID-19-Erkrankung sowie zur Vermeidung einer Überlastung des Gesundheitssystems verhältnismäßig. Dem Verordnungsgeber stand bei der Beurteilung der Frage, ob diese Maßnahme einen legitimen Zweck verfolgte und hierzu geeignet, erforderlich und angemessen war, ein Einschätzungsspielraum zu. Die seiner Ein-schätzung zugrundeliegenden Prognosen waren nur auf ihre Vertretbarkeit hin zu überprüfen.

4. Die Untersagung des Betriebs von Fitnessstudios bzw. des Sportbetriebs in Fit-nessstudios während der ersten Coronawelle verletzte nicht das Eigentumsgrundrecht aus Art. 14 Abs. 1 GG. Es lag schon kein Eingriff in den Schutzbereich der Eigentumsgarantie vor.

 
Tenor:

Der Antrag wird abgelehnt.

Der Antragstellerin trägt die Kosten des Verfahrens.

Das Urteil ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar. Die Antragstellerin kann die Vollstreckung gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des auf Grund des Urteils vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht der Antragsgegner vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 110 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages leistet.

Die Revision wird zugelassen.

 
1 2 3 4 5 6 7 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313
 

Seite drucken Seite drucken Entscheidung als PDF runterladen Entscheidung als PDF runterladen

logo_justiz-nrw-online_rechtsprechungsdatenbank