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Oberverwaltungsgericht NRW, 13 A 800/15.A

Datum:
16.09.2015
Gericht:
Oberverwaltungsgericht NRW
Spruchkörper:
13. Senat
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
13 A 800/15.A
ECLI:
ECLI:DE:OVGNRW:2015:0916.13A800.15A.00
 
Vorinstanz:
Verwaltungsgericht Köln, 15 K 696/14.A
Normen:
AEUV Art. 78 Abs. 1; GR-Charta Art. 18, Dublin II-VO Art. 3 Abs. 1; Dublin II-VO; Art. 3 Abs. 2; Dublin II-VO Art. 10 Abs. 1; Dublin II-VO Art. 17 Abs. 1; Dublin; II-VO Art. 19; Dublin II-VO Art. 20 Abs. 1; Dublin II-VO Art. 10 Abs. 2;
Leitsätze:

Gegen einen Dublin-Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge ist die isolierte Anfechtungsklage statthaft.

Sind sich die Mitgliedstaaten bei der Zuständigkeitsbestimmung nach Art. 10 Abs. 1 Dublin II-VO einig, welcher Mitgliedstaat zuständig ist, dann werden die Rechte des Asylbewerbers dadurch nicht verletzt, es sei denn, im anderen Mitgliedstaat bestehen systemische Mängel.

Die Fristbestimmungen und die daran anknüpfenden Regelungen über den Zuständigkeitsübergang in der Dublin II-VO begründen für sich genommen keine subjektiven Rechte des Asylbewerbers.

Der Asylbewerber hat aus dem materiellen Asylrecht einen Anspruch darauf, dass die nach Art. 20 Abs. 2 Satz 1 Dublin II-VO zuständige Bundesrepublik Deutschland das Asylverfahren durchführt. Etwas anderes gilt nur dann, wenn die Aufnahmebereitschaft eines anderen Mitgliedstaats feststeht.

Die Berufung auf die Zuständigkeit Deutschlands ist nicht unter dem Gesichtspunkt einer freiwilligen Ausreisemöglichkeit ausgeschlossen.

Die Ablehnung des Asylantrags als unzulässig kann nicht als negative Entscheidung gemäß § 71a AsylVfG über die Durchführung eines weiteren Asylverfahrens aufrechterhalten oder in eine solche umgedeutet werden.

 
Tenor:

Auf die Berufung des Klägers wird das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln vom 12. März 2015 geändert.

Der Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge vom 16. Januar 2014 wird aufgehoben.

Die Beklagte trägt die Kosten des Verfahrens, für das Gerichtskosten nicht erhoben werden, in beiden Instanzen.

Das Urteil ist hinsichtlich der Kosten vorläufig vollstreckbar. Die Beklagte kann die Voll-streckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht der Kläger vor der Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leistet.

Die Revision wird zugelassen.

 
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