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Oberverwaltungsgericht NRW, 13 A 2159/14.A

Datum:
16.09.2015
Gericht:
Oberverwaltungsgericht NRW
Spruchkörper:
13. Senat
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
13 A 2159/14.A
ECLI:
ECLI:DE:OVGNRW:2015:0916.13A2159.14A.00
 
Vorinstanz:
Verwaltungsgericht Düsseldorf, 13 K 8286/13.A
Normen:
AEUV Art. 78 Abs. 1; GR-Charta Art. 18, Dublin II-VO Art. 3 Abs. 1;; Dublin II-VO Art. 3 Abs. 2; Dublin II-VO Art. 10 Abs.1; Dublin II-VO Art. 17; Abs. 1; Dublin II-VO Art. 19; Dublin II-VO Art. 20; GG Art. 16a; AufenthG § 60;
Leitsätze:

Gegen einen Dublin-Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge ist die isolierte Anfechtungsklage statthaft.

Ein erfolgloses Eilverfahren wirkt sich auf die Dauer der Überstellungsfrist nach Art. 19 Abs. 3 Satz 1 Dublin II-VO nicht aus. Der Dublin II-VO lässt sich auch im Wege der Auslegung nicht entnehmen, dass die Einleitung eines einstweiligen Rechtsschutzverfahrens zu einer Unterbrechung oder Hemmung oder einem Neubeginn der Frist ab Ergehen des ablehnenden Eilbeschlusses führt.

Ist die 6-Monats-Frist nach Art. 19 Abs. 3 Satz 1 1. Alt. Dublin II-VO abgelaufen, weil kein Rechtsbehelf aufschiebende Wirkung hat, wird nicht dadurch eine neue Überstellungsfrist nach der 2. Alternative der Vorschrift in Lauf gesetzt, dass danach die aufschiebende Wirkung der Klage angeordnet wird.

Die Fristbestimmungen und die daran anknüpfenden Regelungen über den Zu-ständigkeitsübergang in der Dublin II-VO begründen für sich genommen keine subjektiven Rechte des Asylbewerbers.

Der Asylbewerber hat aus dem materiellen Asylrecht einen Anspruch darauf, dass die nach Art. 19 Abs. 4 Satz 1 Dublin II-VO zuständige Bundesrepublik Deutschland das Asylverfahren durchführt. Etwas anderes gilt nur dann, wenn die Aufnahmebereitschaft eines anderen Mitgliedstaats feststeht.

Die Berufung auf die Zuständigkeit Deutschlands ist nicht unter dem Gesichtspunkt einer freiwilligen Ausreisemöglichkeit ausgeschlossen.

Die Ablehnung des Asylantrags als unzulässig kann nicht als negative Entscheidung gemäß § 71a AsylVfG über die Durchführung eines weiteren Asylverfahrens aufrechterhalten oder in eine solche umgedeutet werden.

 
Tenor:

Auf die Berufung des Klägers wird das Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf vom 12. September 2014 geändert.

Der Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge vom 4. Oktober 2013 wird aufgehoben.

Die Beklagte trägt die Kosten des Verfahrens, für das Gerichtskosten nicht erhoben werden, in beiden Instanzen.

Das Urteil ist hinsichtlich der Kosten vorläufig vollstreckbar. Die Beklagte kann die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht der Kläger vor der Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leistet.

Die Revision wird zugelassen.

 
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