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Oberverwaltungsgericht NRW, 13 A 1445/14

Datum:
19.08.2015
Gericht:
Oberverwaltungsgericht NRW
Spruchkörper:
13. Senat
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
13 A 1445/14
ECLI:
ECLI:DE:OVGNRW:2015:0819.13A1445.14.00
 
Vorinstanz:
Verwaltungsgericht Münster, 5 K 1303/13
Normen:
VO (EG) Nr. 504/2008 Art. 11; VO (EG) Nr. 504/2008 Art. 12; ViehVerkV § 44
Leitsätze:

Die ausnahmslose Pflicht zur Kennzeichnung von Equiden – insbesondere Pferden – mittels Transpondern gemäß Art. 11 VO (EG) Nr. 504/2008 i. V. m. § 44 ViehVerkV ist mit höherrangigem Recht vereinbar. Sie verstößt nicht gegen Unionsrecht – insbesondere nicht gegen die Grundrechte-Charta – und auch nicht gegen nationale Grundrechte nach dem Grundgesetz.

§ 44 ViehVerkV entspricht den durch Art. 11 und 12 der VO (EG) Nr. 504/2008 durch den Unionsgesetzgeber getroffenen Vorgaben.

Die ausnahmslose Kennzeichnungspflicht mit Transpondern verstößt insbesondere nicht gegen Art. 14 GG sowie weitere in Betracht kommende Grundrechte. Sie ist verhältnismäßig, weil der deutsche Normgeber das System der Kennzeichnung mit Transpondern für geeignet halten durfte und nach diesem Maßstab eine alternative Kennzeichnung mit dem Schenkelbrand wegen Problemen bei der Lesbarkeit des Brandzeichens nicht in gleicher Weise geeignet erschien.

Sowohl bei der Kontrolle von formellen Gesetzen als auch bei Normsetzung durch die Exekutive ist allein das Ergebnis der normativen (Abwägungs-) Entscheidung darauf zu überprüfen, ob es mit dem durch höherrangiges Recht vorgegebenen Handlungsrahmen übereinstimmt; eine auf den Abwägungsvorgang abzielende Prüfung eines angeblichen Ermessensfehlgebrauchs beim Normerlass findet grundsätzlich nicht statt.

Es bestehen keine Begründungspflichten für den Normgeber beim Erlass einer Rechtsverordnung. Deshalb kann das Fehlen von Erwägungen des deutschen Verordnungsgebers im Normerlassverfahren zu §§ 44 ff. ViehVerkV zur Zulassung von Ausnahmen und v. a. zum Schenkelbrand einen Rechtsfehler der ausnahmslosen Pflicht zur Kennzeichnung von Equiden mit Transpondern nicht begründen.

Die Wesentlichkeitstheorie fordert keine Entscheidung des parlamentarischen Gesetzgebers über die (Nicht-)Zulassung einer Ausnahme von der Transponderpflicht für Equiden. Dies durfte national durch Rechtsverordnung auf der Grundlage von Ermächtigungen im Tierseuchengesetz geregelt werden.

 
Tenor:

Die Berufung des Klägers gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Münster vom 5. Juni 2014 wird zurückgewiesen.

Die Kosten des Berufungsverfahrens trägt der Kläger.

Die Entscheidung ist hinsichtlich der Kosten vorläufig vollstreckbar. Der Kläger kann die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des aufgrund des Urteils vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht der Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 110 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages leistet.

Die Revision wird nicht zugelassen.

 
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