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Oberlandesgericht Hamm, 7 U 25/25

Datum:
09.09.2025
Gericht:
Oberlandesgericht Hamm
Spruchkörper:
7.Zivilsenat
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
7 U 25/25
ECLI:
ECLI:DE:OLGHAM:2025:0909.7U25.25.00
 
Vorinstanz:
Landgericht Münster, 10 O 182/24
Schlagworte:
Verkehrssicherungspflicht, Niveauunterschied, schutzbedürftigste Person, Mitverschulden, Erkennbarkeit
Normen:
BGB § 823 Abs. 1
Leitsätze:
  1. Bei einem Niveauunterschied auf einer Verkehrsfläche erfordert die Verkehrssicherungspflicht regelmäßig nur Schutz vor Gefahren, die über das übliche Risiko bei der Anlagenbenutzung hinausgehen, vom Benutzer nicht vorhersehbar und für ihn nicht ohne Weiteres erkennbar sind (im Anschluss an BGH, Urteil vom 03.06.2008 – VI ZR 223/07, r+s 2008, 348 Rn. 10; BGH, Urteil vom 11.12.1984 – VI ZR 218/83, r+s 1985, 60 = juris Rn. 11; OLG Hamm, Urteil vom 13.01.2006 – 9 U 143/05, NJW-RR 2006, 1100 = juris Rn. 9 ff.; OLG Hamm, Beschluss vom 13.08.2015 – I-9 U 139/15, NJW-RR 2016, 400 = juris Rn. 10).
  2. Dieser Maßstab zur Bemessung der Verkehrssicherungspflicht stellt einen objektiven Maßstab dar, auch wenn sich die Verkehrspflicht grundsätzlich an den schutzbedürftigsten Personen auszurichten hat und Sonderkenntnis des Betroffenen regelmäßig erst auf der Ebene des Mitverschuldens mit entsprechender Beweislast auf Seiten des Verkehrssicherungspflichtigen eine Rolle spielen (im Anschluss an BGH, Urteil vom 23.10.1984 – VI ZR 85/83, r+s 1985, 33 = juris Rn. 16; zur restriktiven Handhabung des Mitverschuldens BGH, Urteil vom 01.07.2025 – VI ZR 357/24, r+s 2025, 827 Ls. 3 und Rn. 18).
  3. Aus der Ausrichtung an der schutzbedürftigsten Person folgt indes nicht, dass eine bei Dunkelheit – als gefahrträchtigstem Moment – abhilfebedürftige Gefahrenquelle bei ausreichendem Tageslicht einer Absicherung bedarf.
  4. Zur Widerlegung des Beweises des ersten Anscheins, wonach ein Sturz, wenn der Geschädigte im Bereich einer abhilfebedürftigen Gefahrenstelle gestürzt ist, auch auf der Gefahrenstelle beruht (im Anschluss an BGH, Beschluss vom 26.02.2009 – III ZR 225/08, NJW 2009, 3302 Rn. 5; OLG Hamm, Urteil vom 04.12.2020 – I-7 U 36/19, VersR 2021, 1188 = juris Rn. 49 m. w. N.)
 
Tenor:

Auf die Berufung der Beklagten zu 1 wird das am 11. April 2025 verkündete Urteil des Einzelrichters der 10. Zivilkammer des Landgerichts Münster (Az. 10 O 182/24) abgeändert und die Klage abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits fallen der Klägerin zur Last.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

 
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