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Oberlandesgericht Düsseldorf, 2 U 93/24

Datum:
03.06.2026
Gericht:
Oberlandesgericht Düsseldorf
Spruchkörper:
2. Zivilsenat
Entscheidungsart:
Schlussurteil
Aktenzeichen:
2 U 93/24
ECLI:
ECLI:DE:OLGD:2026:0603.2U93.24.00
 
Vorinstanz:
Landgericht Düsseldorf, 4a O 39/22
Schlagworte:
Leichtstoff
Normen:
EPÜ Art. 64 Abs. 1; PatG §§ 139 Abs. 1 und 2, 140a Abs. 1 und 3, § 140b Abs.1 und 3; BGB §§ 242, 259
Leitsätze:

1.

Befindet sich die angegriffene Ausführungsform in den Händen des Beklagten, weil er diese herstellt und/oder vertreibt, kann er den Vortrag des Klägers zu den technischen Eigenschaften der angegriffenen Ausführungsform nicht mit Nichtwissen bestreiten und er kann sich auch nicht allein darauf zurückziehen, die Analytik des Klägers zu beanstanden.

2.

Der Ablauf der Schutzdauer des Klagepatents hat grundsätzlich keine Auswirkung auf die sich aus § 140a Abs. 1 und 3 PatG ergebenden Ansprüche auf Vernichtung und Rückruf (Anschluss an BGH, GRUR 2020, 961 – FRAND-Einwand).

3.

Dass es sich bei dem Verletzungsgegenstand um ein Produkt mit begrenzter Nutzungsdauer handelt, rechtfertigt eine Beschränkung des Rückrufanspruchs nicht ohne weiteres (Fortführung von Senat, Urt. v. 30.07.2020 – I-2 U 31/19, GRUR-RS 2020, 45854 – Hebeschlinge). Ebenso stellt allein der Hinweis darauf, dass der patentverletzende Gegenstand bereits seit einiger Zeit nicht mehr vertrieben wird, keinen Grund für eine Beschränkung des Rückrufanspruchs dar (Fortführung von OLG Düsseldorf, Urt. v. 18.03.2021 – I-2 U 18/19, GRUR-RS 2021, 6714 – Hubsäule).

4.

Auch von einem „Sortimenter“ ist mindestens zu fordern, dass er sich, wenn die Warengattung die Möglichkeit eines Patentschutzes nahelegt, bei seinem Lieferanten oder beim Hersteller danach erkundigt, ob die Schutzrechtslage für das vorgesehene Vertriebsgebiet fachkundig geprüft worden ist und sich nur auf eine nicht nur pauschal in Allgemeinen Geschäftsbedingungen, sondern auf konkrete Nachfrage hin erfolgte Zusicherung verlässt (Fortführung von OLG Düsseldorf, Urt. v. 08.12.2016 – I-2 U 6/13, BeckRS 2016, 111011 Rn. 100 – Lichtemittierende Vorrichtung; Urt. v. 03.02.2022 – I-2 U 20/21, GRUR-RS 2022, 57709 Rn. 89 – Waage).

 
Tenor:

I. Die Berufung der Beklagten gegen das am 19.11.2024 verkündete - und mit Teilurteil des Senats vom 03.04.2025 im Ausspruch zur vorläufigen Vollstreckbarkeit teilweise abgeänderte - Urteil der 4a Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf wird mit der Maßgabe zurückgewiesen, dass im Tenor des landgerichtlichen Urteils in den Ziffern I.2 und I.4 die Worte „seit dem 31. Juli 2019“ durch die Worte „in der Zeit vom 31. Juli 2019 bis zum 25. November 2024“ und in den Ziffern I.3 und II. die Worte „seit dem 31. August 2019“ durch die Worte „in der Zeit vom 31. August 2019 bis zum 25. November 2024“ ersetzt werden sowie in Ziffer I.5 nach den Worten „in der Bundesrepublik Deutschland“ die Worte „sich spätestens seit dem 31. August 2019“ eingefügt werden.

II. Der Beklagte hat auch die Kosten des Berufungsverfahrens zu tragen. Die Streithelferinnen tragen ihre außergerichtlichen Kosten selbst.

III. Dieses Urteil und das Urteil des Landgerichts sind vorläufig vollstreckbar.

Der Beklagte darf die Zwangsvollstreckung gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 120 % des aufgrund der Urteile vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht die Klägerin vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 120 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages leistet.

IV. Die Revision wird nicht zugelassen.

V. Der Streitwert für das Berufungsverfahren wird auf 250.000,00 EUR festgesetzt.

 
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