Seite drucken Seite drucken   Entscheidung als PDF runterladen Entscheidung als PDF runterladen

Oberlandesgericht Düsseldorf, 12 U 32/24

Datum:
16.04.2026
Gericht:
Oberlandesgericht Düsseldorf
Spruchkörper:
12. Zivilsenat
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
12 U 32/24
ECLI:
ECLI:DE:OLGD:2026:0416.12U32.24.00
 
Vorinstanz:
Landgericht Mönchengladbach, 10 O 232/20
Leitsätze:

§§ 194 Abs. 1, 197 Abs. 1 Nr. 1, 398, 640, 641 BGB; §§ 50 Abs. 1, 51 Nr. 1, 60 Abs. 1, 62, 91 Abs. 1, 103, 130 Abs. 1, 131, 133 Abs. 1, 140, 169, 170 Abs. 1 (analog), 171 InsO; § 255 ZPO

1.  Die werkvertragliche Zahlungsverpflichtung des Bestellers ist bereits mit Vertragsschluss betagt entstanden.

2.  Hat der Schuldner vor Insolvenzeröffnung einen Teil der ihm obliegenden teilbaren Leistung erbracht, wird der dieser Teilleistung entsprechende Anspruch auf die Gegenleistung, der bereits an einen Zessionar abgetreten war, durch die Insolvenzeröffnung nicht berührt; insofern bleibt der Zessionar zur Absonderung berechtigt.

3.  Das Werthaltigmachen einer unter eine Globalzession fallenden Forderung unterliegt als selbständige Rechtshandlung der Anfechtung. Hierfür kommt es bei einem Werkvertrag nicht auf den zufälligen Zeitpunkt der Fertigstellung und Abnahme des Werkes an. Steht die anfechtungsrechtliche Bösgläubigkeit ab einem bestimmten Datum fest, muss der Verwalter vielmehr eine Abgrenzung vornehmen, wann welche Wertschöpfung durch Arbeiten des Schuldners an dem Werk erzielt wurden, um zu ermitteln, ab welchem Zeitpunkt eine Gläubigerbenachteiligung in welcher Höhe eintreten konnte.

4.  Der Anspruch des Absonderungsberechtigten auf Erlösauskehr gemäß § 170 Abs. 1 Satz 2 InsO verjährt gemäß § 197 Abs. 1 Nr. 2 BGB in 30 Jahren.

5.  Die Zinszahlungspflicht aus § 169 InsO endet im Fall der Einziehung der Forderung durch den Insolvenzverwalter nicht mit der Einziehung der Forderung, sondern erst mit der Auszahlung des Erlöses an den Absonderungsberechtigten.

6.  Ein Insolvenzverwalter verstößt gegen seine insolvenzspezifischen Pflichten, wenn er sein Verwertungsrecht nicht unverzüglich ausübt und den dem Absonderungsberechtigten geschuldeten Betrag nach 170 Abs. 1 Satz 2 InsO nicht unverzüglich auszahlt.

Rechtskraft:
rechtskräftig
 
Tenor:
  1. Auf die Berufung der Klägerin wird das am 23.05.2024 verkündete Urteil der 10. Zivilkammer des Landgerichts Mönchengladbach (10 O 232/20) teilweise abgeändert und wie folgt neu gefasst:

Die Beklagten werden als Gesamtschuldner verurteilt, an die Klägerin 427.988,18 € zuzüglich Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz aus 377.301,20 € in der Zeit vom 05.12.2002 bis zum 15.12.2002, aus 467.799,87 € in der Zeit vom 16.12.2002 bis zum 23.01.2003, aus 476.984,85 € in der Zeit vom 24.01.2003 bis zum 23.02.2003 und aus 427.988,18 € seit dem 24.02.2003 abzüglich am 16.01.2003 gezahlter 56,45 €, am 21.01.2003 gezahlter 901,32 €, am 30.07.2003 gezahlter 870,00 €, am 01.10.2003 gezahlter 55,66 €, am 03.11.2006 gezahlter 1.604,07 €, am 26.05.2008 gezahlter 9.592,10 €, am 17.06.2009 gezahlter 110.000,00 € und am 28.08.2013 gezahlter 11.437,16 € zu zahlen. Die Verurteilung des Beklagten zu 2) erfolgt mit der Maßgabe, dass er nur Zug um Zug gegen Abtretung der der Klägerin gegen die Insolvenzmasse zustehenden Ansprüche haftet.

Im Übrigen werden die Klage ab- und die weitergehende Berufung zurückgewiesen.

  1. Die Kosten des Rechtsstreits erster Instanz tragen die Klägerin zu 42 % und die Beklagten als Gesamtschuldner zu 58 %. Die Kosten des Berufungsverfahrens trägt die Klägerin.

  2. Dieses Urteil ist ohne Sicherheitsleistung vorläufig vollstreckbar. Die Parteien können die Vollstreckung der jeweils anderen Partei durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des aus dem Urteil vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht die andere Partei vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 110 % des zu vollstreckenden Betrages leistet.

 
1 2 3 4 5 6 7 8 13 14 15 16 17 18 19 20 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 238 239 240 241 242 243 250 251 253 254 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 323 324 325 326 328 329 334 335 336 337 341 342 343 352 353 355 356 357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368 369 370 371 372 373 374 375 376 377 378 379 380 381 382 383 384 385 386 387 388 389 390 391 392
 

Seite drucken Seite drucken Entscheidung als PDF runterladen Entscheidung als PDF runterladen

logo_justiz-nrw-online_rechtsprechungsdatenbank