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Oberlandesgericht Düsseldorf, 6 Kart 10/19 (OWi)

Datum:
17.08.2020
Gericht:
Oberlandesgericht Düsseldorf
Spruchkörper:
6. Kartellsenat
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
6 Kart 10/19 (OWi)
ECLI:
ECLI:DE:OLGD:2020:0817.6KART10.19OWI.00
 
Leitsätze:

1. Die Rücknahme des Einspruchs im Kartellbußgeldverfahren ist im Fall der Aufhebung und Zurückverweisung einer erstinstanzlichen Bußgeldentscheidung durch das Rechtsbeschwerdegericht nur mit Zustimmung des Gegners – hier der Generalstaatsanwaltschaft – nach §§ 71 OWiG, 411 Abs. 2 Satz 3, 303 StPO möglich, wenn aufgrund mündlicher Verhandlung durch Urteil zu entscheiden ist (im Anschluss an BGH, Beschluss vom 16. Juni 1970, 5 StR 602/69, NJW 1970, 1512).

2. § 74 Abs. 2 OWiG findet als allgemeine Vorschrift des Ordnungswidrigkeitenrechts in Kartellbußgeldverfahren und insbesondere auch in Bezug auf juristische Personen als Nebenbetroffene Anwendung. Dem steht § 46 Abs. 1 OWiG i.V.m. § 444 StPO nicht entgegen. Im Fall des unentschuldigten Nichterscheinens der gesetzlichen Vertreter einer Nebenbetroffenen, deren persönliches Erscheinen angeordnet worden war, besteht daher die Möglichkeit, den Einspruch der Nebenbetroffenen zu verwerfen.

 
Tenor:

Der Einspruch der Nebenbetroffenen vom 15. Januar 2016 gegen den Bußgeldbescheid des Bundeskartellamtes vom 23. Dezember 2015 (Az.: B 10 - 47111 - Kh - 50/14) wird verworfen.

Die Nebenbetroffene trägt auch die Kosten des gerichtlichen Verfahrens einschließlich der Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens sowie ihre notwendigen Auslagen.

Angewendete Vorschrift: § 74 Abs. 2 OWiG

 

G r ü n d e :

I.

1

1. Unwirksamkeit der Einspruchsrücknahme

2 3 4 5 6 7 8 9

2. Verwerfung des Einspruchs nach § 74 Abs. 2 OWiG

10

a) Anwendbarkeit von § 74 Abs. 2 OWiG

11

aa) Anwendbarkeit von § 74 Abs. 2 OWiG in Kartellbußgeldverfahren und auf die Nebenbetroffene als juristische Person

12 13 14 15 16 17 18 19

bb) Kein Ausschluss der Anwendbarkeit von § 74 Abs. 2 OWiG aufgrund von § 444 StPO

20 21 22 23 24 25 26 27 28

cc) Kein sonstiger Ausschlussgrund für die Anwendbarkeit von § 74 Abs. 2 OWiG

29 30 31 32

dd) Einwendungen von Generalstaatsanwaltschaft und Bundeskartellamt

33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55

b) Voraussetzungen von § 74 Abs. 2 OWiG

56

aa) Anordnung des persönlichen Erscheinens

57 58 59 60

bb) Ordnungsgemäße Ladung

61 62

cc) Ausbleiben in der Hauptverhandlung ohne genügende Entschuldigung

63 64 65 66 67

dd) Belehrung

68

c) Rechtsfolge

69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87

II.

88

III.

89

IV.

90 91
 

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