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Oberlandesgericht Düsseldorf, I-21 U 178/14

Datum:
14.04.2015
Gericht:
Oberlandesgericht Düsseldorf
Spruchkörper:
21. Zivilsenat
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
I-21 U 178/14
ECLI:
ECLI:DE:OLGD:2015:0414.I21U178.14.00
 
Vorinstanz:
Landgericht Wuppertal, 17 O 7/12
Leitsätze:

Leitsatz:

vertragliche Einbeziehung einer Schiedsgerichtsklausel nach § 1031 Abs. 1 ZPO; Auswirkungen und Auslegung einer in AGB enthaltenen Abwehrklausel; Schweigen auf kaufmännisches Bestätigungsschreiben; keine nachträgliche Zustimmung zu Vertragsbedingungen des Vertragspartners durch Vertragser-füllung bei Abwehrklausel; Vertragsauslegung bei widersprechenden AGB;

- Für die Vereinbarung einer Schiedsgerichtsabrede genügt gemäß § 1031 Abs. 1 und 2 ZPO, dass eine der Parteien auf ein Dokument Bezug nimmt, das eine Schiedsklausel enthält, wenn die Bezugnahme dergestalt ist, dass sie diese Klausel zu einem Bestandteil des Vertrags macht. Nicht erforderlich ist, dass in der Urkunde selbst das Wort „Schiedsvereinbarung“ verwendet wurde. Auch ist nicht zwingend erforderlich, dass die eigenen – auf die Schiedsvereinbarung verweisenden Ver-tragsbedingungen dem Angebotsschreiben einer Partei beiliegen. Für die Einbezie-hung von Geschäftsbedingungen zwischen Kaufleuten gilt, dass ein Hinweis auf diese genügt. Eine Kenntnis des anderen Teils vom Inhalt des in Bezug genommenen Schriftstückes ist dabei, jedenfalls dann nicht erforderlich, wenn es sich nicht um eine überraschende Regelung handelt. Mit der Einbeziehung einer Schiedsgerichtsverein¬barung muss auch im kaufmännischen Bereich jederzeit gerechnet werden.

- Die Einbeziehung einer Schiedsgerichtsklausel durch Bezugnahme auf die eigenen eine solche Klausel enthaltende AGB in einem Bestellschreiben wird durch die Bezugnahme auf die eine Abwehrklausel enthaltenden eigenen AGB in einem Angebotsschreiben gehindert.

- Der Grundsatz, dass das Schweigen des Gegners auf ein kaufmännisches Bestätigungsschreiben den Vertrag mit dem Inhalt dieses Bestätigungsschreibens zustande gebracht hat, gilt nicht, wenn es sich bei dem in Bezug genommenen Schreiben nicht um eine Bestätigung des bisherigen Vertragsinhaltes, sondern um eine sogenannte modifizierte Auftragsbestätigung handelt und auch dann nicht, wenn der das Schreiben Verfassende nicht mit einer widerspruchslosen Hinnahme durch die Gegenseite rechnen konnte.

- Eine allgemein gehaltene Abwehrklausel ist grundsätzlich dergestalt auszulegen, dass sie nicht nur einzelne widersprechende, sondern alle vom Gegner genannten Klauseln ausschließen soll. Bei Vorliegen einer solchen Abwehrklausel ist eine nachträgliche Zustimmung zu den Vertragsbedingungen des Vertragspartners auch nicht in der Vertragserfüllung zu sehen.

- Scheitert bei wechselseitigen Geschäftsbedingungen die Einbeziehung der Ver-tragsbedingungen insgesamt, ist insbesondere im Fall der späteren Durchführung davon auszugehen, dass die Parteien einen an sich wirksamen Vertrag geschlossen haben. In einem solchen Fall richtet sich der Inhalt des dennoch geschlossenen Vertrages nicht ausschließlich nach dem dispositiven Recht, sondern nach den Geschäftsbedingungen beider Parteien, soweit diese übereinstimmen, bei widerstreitenden Bedingungen nach dem dispositiven Gesetzesrecht.

BGB §§ 305, 145, 157, 133; ZPO § 1031

OLG Düsseldorf, 21. Zivilsenat Urteil vom 14.04.2015, I-21 U 178/14

 
Tenor:

Die Berufung der Beklagten gegen das Urteil des Landgerichts Wuppertal, Az.: 17 O 7/12 vom 15.09.2014 wird zurückgewiesen.

Die Kosten des Berufungsverfahrens werden der Beklagten auferlegt.

Dieses Urteil und die angegriffene Entscheidung sind vorläufig vollstreckbar.

 
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