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Landesarbeitsgericht Hamm, 17 SLa 939/25

Datum:
12.05.2026
Gericht:
Landesarbeitsgericht Hamm
Spruchkörper:
17. Kammer
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
17 SLa 939/25
ECLI:
ECLI:DE:LAGHAM:2026:0512.17SLA939.25.00
 
Vorinstanz:
Arbeitsgericht Münster, 4 Ca 751/25
Schlagworte:
Versorgungstarifvertrag; gespaltene Rentenformel; Teilzeitbeschäftigte; Rechtsfol-gen des Verstoßes einer Tarifnorm gegen § 4 Abs. 1 TzBfG
Normen:
§ 4 Abs. 1 TzBfG
Leitsätze:

1. Sieht ein Versorgungstarifvertrag für die Berechnung des Altersruhegeldes vor, dass zunächst das rentenfähige Einkommen unter Berücksichtigung des durchschnittlichen Beschäftigungsgrads zu ermitteln und anschließend eine sog. gespaltene Rentenformel auf das so ermittelte Einkommen anzuwenden ist, kann dies zu einer Benachteiligung von in Teilzeit beschäftigten Arbeitnehmern führen.

2.Beinhaltet eine gespaltene Rentenformel als Grenzwert die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung, stellt das mit einer derartigen Formel verfolgte Ziel, den jeweils unterschiedlichen Versorgungsbedarf für die unterhalb und die oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegenden Gehaltsbestandteile zu berücksichtigen, einen sachlichen Grund iSv. § 4 Abs. 1 TzBfG dar, der eine unterschiedliche Behandlung rechtfertigt (Anschluss an BAG 03.06 2020 - 3 AZR 480/18 -; EuGH 13.07.2017 - C-354/16 - [Kleinsteuber]).

3. Beinhaltet eine gespaltene Rentenformel einen anderen Grenzwert als die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung, ist die mit ihr verbundene Benachteiligung von in Teilzeit beschäftigten Arbeitnehmern nur gerechtfertigt, wenn ein sachlicher Grund iSv. § 4 Abs. 1 TzBfG vorliegt (im Streitfall verneint).

4.Den Tarifvertragsparteien kommt auch im Anwendungsbereich gestaltungsoffenen Unionsrechts keine primäre Korrekturkompetenz zu, wenn eine Tarifnorm gegen ein unionsrechtlich überformtes Diskriminierungsverbot verstößt (Anschluss an BAG 28.01 .2026 - 5 AZR 7/23 -; 26.11.2025 - 5 AZR 155/22 -; 13.11.2025 - 6 AZR 131/25 -).

 
Tenor:

Die Berufung der Beklagten gegen das Urteil des Arbeitsgerichts Münster vom 31.10.2025 - 4 Ca 751/25 - wird mit der Maßgabe zurückgewiesen, dass Zinsen auf das restliche Ruhegeld für Mai und August 2025 erst ab dem 03.06.2025 und 02.09.2025 zu zahlen sind.

Die Beklagte hat die Kosten des Berufungsverfahrens zu tragen.

Die Revision wird zugelassen.

 
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