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Landesarbeitsgericht Hamm, 10 Sa 1781/10

Datum:
15.07.2011
Gericht:
Landesarbeitsgericht Hamm
Spruchkörper:
10. Kammer
Entscheidungsart:
Urteil
Aktenzeichen:
10 Sa 1781/10
ECLI:
ECLI:DE:LAGHAM:2011:0715.10SA1781.10.00
 
Vorinstanz:
Arbeitsgericht Bielefeld, 1 Ca 2998/09
Nachinstanz:
Bundesarbeitsgericht, 2 AZR 797/11
Schlagworte:
Außerordentliche und ordentliche Kündigung einer Kassiererin eines Getränke-markts; Entnahme von Geldern aus einer sogenannten Klüngelgeldkasse; Ver-dachtskündigung; heimliche Videoaufnahme; Zulässigkeit; Verwertungsverbot; Interessenabwägung; Betriebsratsanhörung; Annahmeverzug
Normen:
§ 626 BGB, § 1 Abs. 2 KSchG, §§ 87 Abs. 1 Nr. 6, 102 BetrVG, § 6 b BDSG, Art. 2 Abs. 1, 12 Abs. 1, 14 Abs. 1 GG, § 615 BGB
Leitsätze:

Die Verwertung heimlicher Videoaufnahmen von öffentlich zugänglichen Räumen - etwa vom Kassenbereich eines Getränkemarktes - kann im Kündigungsschutzprozess in verfassungskonformer Einschränkung des § 6 b Abs. 2 BDSG zulässig sein, wenn sich der Arbeitgeber in einer notwehrähnlichen Lage befindet und die heimliche Videoüberwachung nicht unverhältnismäßig ist.

 
Tenor:

Auf die Berufung der Klägerin wird das Urteil des Arbeitsgerichts Bielefeld vom 29.06.2010 – 1 Ca 2998/09 – teilweise abgeändert.

Es wird festgestellt, dass das Arbeitsverhältnis der Parteien durch die fristlose Kündigung der Beklagten vom 11.09.2009 nicht beendet worden ist.

Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin 9.531,82 € brutto nebst 5 % Punkten über dem Basiszinssatz der Europäischen Zentralbank aus 840,02 € seit dem 01.10.2009, aus weiteren 1.406,92 € seit dem 01.11.2009, aus weiteren 1.657,20 € seit dem 01.12.2009, aus weiteren 1.406,92 € seit dem 01.01.2010, aus weiteren 1.406,92 € seit dem 01.02.2010, aus weiteren 1.406,92 seit dem 01.03.2010 und aus weiteren 1.406,92 € seit dem 01.04.2010 abzüglich von der Agentur für Arbeit am 02.10.2009 gezahlter 463,02 € netto und abzüglich weiterer von der Agentur für Arbeit am 30.10.2009, am 30.11.2009, am 30.12.2009, am 29.01.2010, am 26.02.2010 und am 31.03.2010 jeweils gezahlter 731,10 € netto zu zahlen.

Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin einen Warengutschein über 275,00 € auszustellen und der Klägerin diesen Warengutschein auszuhändigen.

Die weitergehende Berufung der Klägerin wird zurückgewiesen.

Von den Kosten des Rechtsstreits hat die Klägerin 1/2, die Beklagte 1/2 zu tragen.

Die Revision wird zugelassen.

 
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